Mittwoch, 30. Dezember 2009

Elternzeit, Familienzeit und die Rückkehr in das Berufsleben: Frauen im teuflischen Dreieck

Viele junge Mütter kennen das Problem. Nach der Geburt des ersten oder zweiten oder auch dritten Kindes stellt sich die Frage: kehre ich in meinen Beruf zurück? Zu meinem alten Arbeitgeber? Bekomme ich überhaupt eine Stelle? Arbeite ich Teilzeit oder Vollzeit? Wie bekomme ich das Leben zwischen Aktenordnern, Familienleben und Terminhetze zukünftig koordiniert und terminiert?

Nach Lukes drittem Geburtstag hat sich auch bei uns diese Frage gestellt. Annes Arbeitgeber kann derzeit keine adäquate Stelle anbieten und so ist das Thema ein halbes Jahr verschoben worden. Da der Arbeitgeber neben der gesetzlichen Elternzeit von drei Jahren zusätzlich für maximal zwei Jahre eine sich anschließende "Familienzeit" anbietet, ist es arbeitsrechtlich für uns unkritisch, da wir keine Nachteile haben.

Wir haben das Glück, dass wir finanziell nicht darauf angewiesen sind. Aber: die Gesellschaft fordert es ein, dass eine Frau nicht nur eine gut sorgende Mutter, liebende Ehefrau sondern zusätzlich noch erfolgreiche Angestellte im Beruf ist. Ist so etwas überhaupt möglich? Und scheitert daran am Ende nicht vielleicht sogar die Beziehung? 


Ich bin der Meinung, dass in diesem teuflischen Dreieck (Kindererziehung - Ehefrau - Beruf) am Ende mindestens einer auf der Strecke bleibt: die Frau, die Mutter, die Gattin, die Angestellte. Weil sie alles auf einmal nur sehr schwer unter einen Hut bekommen kann und zwangsläufig bei verschiedenen Themenfeldern Abstriche machen muss.

Außerdem bin ich der Meinung, dass die Tätigkeit als Familien-Managerin unterschätzt
wird , da es ein fulltime-Job ist. Wenn ich aus dem Büro nach Hause komme, habe ich Feierabend (von einigen BlackBerry-Mails und Telefonaten abgesehen), aber Anne ist 24/7 für die Kids und mich im Einsatz.

Hinzu kommen die Gewissensbisse bei der Ehefrau und Mutter: was denken andere, wenn ich daheim bin und nicht arbeiten gehe? Wird schlecht über mich gesprochen? Meine Meinung dazu: Das ist vollkommen egal, was die anderen denken! Wichtig ist, dass die Frau mit ihrer Entscheidung und Rolle zufrieden ist, denn am Ende ist sie nur einem Menschen Rechenschaft schuldig: sich selbst.

Wie denkt Ihr darüber? Kind und Karriere? Kind oder Karriere?

Kommentare:

asinus hat gesagt…

Nicht lösbar ! pareto-optimal

Nico Nebel hat gesagt…

Sehe ich genauso!!!
Der Druck der Gesellschaft auf eine nur Hausfrau u. Mutter wieder Arbeiten zu gehen ist so stark, dass er nur sehr schwer auszuhalten ist. Das finde ich absolut schade, denn die Kindererziehung macht aus meiner Sicht unsere Gesellschaft aus und ist sehr wichtig. Aber die Arbeit hat leider einen viel höheren Stellenwert!

Kleinenbroicher hat gesagt…

Wir sind ja in einer vergleichbaren Situation. Ich kann zwar nicht unbedingt sagen, dass wir einen gesellschaftlichen Druck verspüren, dass meine Frau wieder arbeiten sollte.
Aber was mich sehr stört sind die doch sehr eingeschränkten Möglichkeiten, dies familienfreundlich zu tun. Und unsere Politik arbeitet eher an den Möglichkeiten, die auf Kosten der Kids gehen:
KiTa unter 3 Jahren? Ich bin der Meinung, in der Zeit gehören Kleinkinder (!) nicht bei Erzieherinnen untergebracht, das sind die prägenden Jahre und keine Erzieherin hat ausreichend Zeit!
Ganztagsbetreuung? Wenn die Kids dann erschöpft um 16 - 17 h aus der OGaTa kommen - wann sollen sie denn Freunde treffen oder sich in Vereinen betätigen?

Diese und ähnliche Bedenken haben auch bei uns dazu geführt, dass wir uns lieber etwas mehr einschränken und zur Not z.B. auf Urlaub verzichten, aber das reicht ja nicht bei jedem.

Wo bleiben die Angebote für Eltern, sich ca. 4h am Tag beruflich zu betätigen?

meinolfk hat gesagt…

Ich sehe den Druck nicht und ich sehe auch nicht, dass die Arbeit den höheren Stellenwert hat.
Dies wird nur immer wieder veröffentlicht und manche versuchen damit ihre Zwangslage oder ihr fehlendes Selbstbewusstsein schön zu reden.

Es bleibt jeder Familie selbst überlassen, ob 1, 1.5 oder 2 Elternteile arbeiten gehen.

Es ist für Kinder das beste wenn sie in den ersten drei Jahren ganz und darüber hinaus zumindest nach dem Kindergarten/nach der Schule zuhause von einem Elternteil betreut werden.
Kinderkrippen/Horte zum Auffangen von Kindern, deren beide Elternteile arbeiten (ob freiwillig oder nicht) sind die schlechtere Alternative.

Frederike hat gesagt…

Also, wir sind ja auch in einer ähnlichen Situation.
Als ich das erste mal hochschwanger war, habe ich 'das eva-prinzip' gelesen und war sehr angetan-denn ich habe frau hermann anders verstanden und für mich interpretiert als die medien, die sich auf wenige schlagworte gestürzt und sich nicht differenziert mit dem buch auseinander gesetzt haben. für mich war jedenfalls die quintessenz, dass ich mich auf meine rolle auf hausfrau und mutter konzentrieren möchte und mich nicht aufreiben lassen will von dem spagat zwischen beruf und privatleben-ich habe viele freundinnen, die nach einem jahr wieder arbeiten gegangen sind, aber keine davon ist glücklich und ich bin momentan als ehefrau, hausfrau und mutter so glücklich wie nie zuvor.
ich habe natürlich den vorteil, dass mein beruf nicht wirklich meine erfüllung war und mir zudem die bestätigung gegeben hat, dass kinder die ersten drei jahre nunmal zuhause am besten aufgehoben sind.
aber ganz ehrlich: ein baby und ein kleinkind, ein ehemann, ein haushalt und erheblicher renovierungsbedarf ist auch genug arbeit, ich bin ausgelastet.

ich würde zwar gerne mal wieder einen abend mich an die kasse setzen, einfach mal was anderes sehn, aber leider gibt es da eine bekloppte regelung, dass mein einkommen mit dem elterngeld verrechnet werden würde und für umsonst gehe ich nicht arbeiten.

Ich bleibe also cool, bin der überzeugung, dass ich außer riestern eh nix für meine altersvorsorge machen kann, denn bis ich soweit bin, bekommen wir eh nur ne art minimalversorgung, wenn überhaupt, egal, wieviel bezahlte arbeit wir geleistet haben.
und wenn mich jemand schief anguckt, frage ich ihn, ob wir n tag tauschen wolln, ich sage leckmich zum wieder arbeiten gehn und gucke, wenn ich beide kids im kiga sind, ob ich da minijobmäßig was mache, denn anders werden wir das auch kaum finanzieren können-aber: lieber kürzer treten, als schlüsselkinder.

Frederike hat gesagt…

achja: wie man an der mangelnden struktur und der innovativen wortwahl sowie satzstellung meines vorherigen kommentars merkt, leidet natürlich der intellekt gehörig unter diesem hausfrauendasein. Das ist das einzige, was mich daran nervt und stört, mit stilldemenz ist es momentan natürlich noch schlimmer, aber ich kann mich einfach nicht mehr so treffend artikulieren, wie meine altersgenossen, die im berufsleben stehen.

 
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