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Donnerstag, 20. Mai 2010

McDonald's: Schmelztiegel der Kulturen, sozialen Schichten und Menschen

Es ist kurz vor sieben an einem Mittwoch Morgen. Ich habe mir eben einen kleinen Cappuccio bei Mc Donald's für Euro 1,10 bestellt und sitze nun auf einem Hocker an einem Thekentisch aus dunklem Holz. Mein Schnellzug fährt erst in gut zwanzig Minuten ab und ich habe Zeit, ein wenig "people spotting" zu betreiben.

Es macht mir Spaß und ist sehr aufschlussreich, die Menschen zu beobachten, die an diesem Morgen im Düsseldorfer Hauptbahnhof zu Mc Donald's eilen. Es ist ein Querschnitt unseres Landes: bezogen auf die gesellschaftliche Schicht, auf die soziale Herkunft und auf die demographische Schichtung in unserem Deutschland.

Anzugträger verschlingen ihr Mc Toast und schütten sich eilig den Kaffee hinunter, während sie die Zeitung lesen und den BlackBerry bedienen. Ein älterer Afrikaner sitzt mit Sonnenbrille und Kopftuch allein an einem Tisch und trinkt seinen Kaffee. Junge Mädchen invasieren im Rudel den Tresen und geben ihre Frühstücksbestellung auf. Ein vermeintlich Obdachloser nutzt die Lounge-Couch, um sich an diesem kalten Morgen ein wenig aufzuwärmen. Reinigungskräfte nutzen ihre knapp bemessene Pause, um sich bei einem Snack zu stärken. Es gibt viel zu sehen am Morgen im Mc Donald's Schnellrestaurant am Hauptbahnhof Düsseldorf.

Besonders berührt hat mich eine ältere Frau, die mit ihrer Tochter das Ladenlokal betritt. Die Frau hat ebenso einen Trolley im Schlepptau wie ihre Tochter. Die Tochter, sie mag Anfang vierzig sein, trägt einen Brustbeutel um den Hals. Der Beutel ist gelb mit drei schwarzen Punkten. Die Tochter trägt eine schwarz-weiß gemusterte Schirmmütze und eine Brille mit dicken, runden Gläsern. Sie scheint an dem Down-Syndrom zu leiden. "Leiden" ist das falsche Wort, denn leidend sieht die Frau nicht aus. Ihre Mutter gibt ihr zu verstehen, dass sie sich hinsetzen möge. Währenddessen geht die Mutter, die ein hübsches Tuch um den Hals gebunden hat und einen eleganten Mantel trägt, an den Tresen und bestellt für sich und ihre Tochter einen kleinen Cappuccino. 

Ich sitze weiter vor meinem Heissgetränk und muss lange über die beiden Menschen nachdenken, die sich in nicht mal zwanzig Meter Entfernung von mir befinden. Ich bewundere diese Frau und Mutter. Ich habe großen Respekt vor ihrem Wirken und Tun. Sie hat sich sicherlich das gesamte Leben ihrer Tochter für sie eingesetzt und um sie gekümmert. Sie hat ihre Tochter aufwachsen sehen und gewusst, dass das ganze Leben gemeinsam verbracht werden wird. Mit nachdenklichem Gesicht verlasse ich Mc Donald's und mache mich auf den Weg zu Gleis 16, um mit dem ICE nach Frankfurt zu reisen.

Montag, 21. Dezember 2009

Zug fahren und Dienstreisen: ICE, ipod touch & interessante Menschen

In regelmäßigen Abständen fahre ich auf Wunsch meines Arbeitgebers mit dem ICE von Düsseldorf nach Frankfurt. Diese Fahrten sind größtenteils eintägig, d.h. morgens geht es um 7:22 Uhr ab Hbf Düsseldorf los und am späten Nachmittag vice versa heimwärts.

Damals, als die Branche, in der ich tätig bin, noch nicht so kostenbewusst wie heute war, bin ich sogar erste Klasse gefahren. Ich kann bis heute nicht verstehen, worin der Vorteil der ersten Klasse liegt bzw. wieso dies den recht hohen Aufschlag im Preis rechtfertigen soll.

Sicherlich ist es in der ersten Klasse ruhiger, da die Familien mit Kinder, Kegelclubs und Studenten äussert selten die erste Klasse nutzen und sich stattdessen in der zweiten Klasse tummeln. Und auch die Ledersitze und etwas mehr Beinfreiheit sind nett. Aber sonst? Film- und Fernsehbeiträge am Sitzplatz sind für mich dank ipod touch obsolet. Und den "Ich bringe dir das koffeinhaltige Heissgetränk gern auch an den Platz"-Service benötige ich auch nicht.

Also fahre ich in der zweiten Klasse mit bis zu 300 km/h von Köln nach Frankfurt, beantworte E-Mails mit dem BlackBerry, lese die FTD und die Wirtschaftswoche und telefoniere gelegentlich mit den Kollegen. Da ich meistens die Ohrstöpsel des ipods aufhabe, stören mich auch nicht die oft sinnfreien Gespräche der Mitreisenden. Danke Steve Jobs, danke ipod !







Montag, 23. November 2009

Herbststurm, Erkältung und Warten auf die S-Bahn

Meine Nacht war gelinde gesagt bescheiden. Mein Immunsystem ist aufgrund der Grippeimpfung (nicht: Schweinegrippenimpfung !) geschwächt und die bösen Bakterien nutzen bekanntlich jedes Hintertürchen, um in einen schwachen Körper einzudringen. Also jetzt auch in meinen.

Am Samstag Abend ging es los. Die Nase juckte und die Lippe schmerzte. Dass das neben einer Erkältung zusätzlich noch ein fieser Herpes-Virus sein sollte, stellte ich am Sonntag Morgen fest. Dank Nasenspray und gefühlten zehn Erkältungstees kam ich überraschenderweise recht gut durch den Sonntag und konnte sogar die nachmittägliche Geocaching-Tour genießen.

In der Nacht von Sonntag auf Montag ging es mir aber auch nicht merklich besser, zumal Luke auch seit Tagen mit einer Erkältung kämpft und ständig wach wurde. Aufgrund der nächtlichen und morgendlichen Stürme war der Morgen an der S-Bahn ebenso chaotisch: so gut wie alle Bahnen gen Düsseldorf hatten Verspätung, so dass ich mich für ein gemeinsames Frühstück mit meinen Lieben entschied.

Als ich anschließend am Bahnsteig ankam, entpuppte sich die laut bahn.de um fünf Minuten verspätete S8 als viertelstündige Verspätung. Ich fror also fröhlich vor mich hin und suchte neben einer dicken Frau Schutz, die einige der widrigen Windböen von mir abhalten konnte. Wenn ich bis dahin nicht erkältet gewesen wäre, wäre es in diesem Augenblick wohl wahr geworden.

Donnerstag, 5. November 2009

S-Bahnfahren im Herbst

Jedes Jahr auf's Neue wird die Deutsche Bahn von einer Jahreszeit überrascht, die in ihren Auswirkungen für das Management des Beinahe-Monpolisten unberechenbar ist. Denn die Monate September bis Dezember sind ja sooo gemein: da erlauben sich die Bäume, sich ihrer Blätterkleider zu entledigen und damit die Gleise der Deutschen Bahn zu bedecken. Die mit Laub beschmutzten Gleise werden dann zu tückischen Fallen, die ganze Flotten von S-Bahnen ausfallen lassen.

Die Berufspendler wissen bereits, von welcher der vier Jahreszeiten ich spreche. Es handelt sich um den Herbst.  Nach einem sonnigen Sommer mit Badewetter tagsüber und lauen Abenden mit Glühwürmchenflug kommt einige Wochen später der Herbst, der zuerst meteorologisch und dann kalendarisch eingeläutet wird. Mit ziemlicher Sicherheit dauert es dann nicht mehr lange und mit den ersten Nachtfrösten beginnen auch die Verspätungen im öffentlichen Personennahverkehr.

Langsam schleichen sich die Verspätungen im Bahnverkehr an mich heran. Sind es erst einige Minuten im Oktober, in denen ich auf die S8 warten muss, wachsen die Wartezeiten im November bereits auf zehn Minuten und länger an. Den Höhepunkt erreichen die Verzögerungen dann meist im Dezember, wenn aus ein paar Minuten rasch Viertelstunden oder gar ganze Zugausfälle werden.

Ich liebe diese Verspätungen. Dank mobilem Internet und BlackBerry ist das Warten für mich nicht bloße Prokrastination. Ich kann stattdessen produktiv sein: E-Mails schreiben, meinen Feed-Reader leeren, twittern und bloggen. Oder die Zeitung lesen. Unangenehm wird es nur, wenn die Witterung nicht mitspielt und es feucht-kalt ist. Dann verfluche ich die Deutsche Bahn und den Herbst.

 
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